Meinung: Datenschutz ist ein Problem für die Werbeindustrie

Werbung ist mehr als nur ein Geschäft, sie ist Teil der Internetkultur geworden. Jeder bekommt gerne etwas umsonst und hat nichts dagegen, beim Surfen im Internet eine Werbung zu sehen. Es gibt jedoch einige Leute, die werbefreie Websites bevorzugen – was durchaus verständlich ist, wenn man sich die Werbung auf mobilen Geräten ansieht. Ich spreche von Vollbildanzeigen, die fast den gesamten Bildschirm mit auffälligen Videos oder Bildern bedecken.

Leider ist dies in Deutschland aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht mehr möglich. Diese Vorschriften traten in Kraft, als Facebook 2007 sein Beacon-System ankündigte, wurden aber erst kürzlich von den Strafverfolgungsbehörden durchgesetzt. Das System selbst war recht einfach: Man wollte über die Plattform von Facebook etwas online kaufen (z.B. eine Buchung über hotels.com), dann würde die Plattform alle Ihre Kaufdaten an Facebook weitergeben, das sie in Ihrer Timeline veröffentlicht. Natürlich konnten Sie diese Funktion deaktivieren, aber das war nach Ansicht von Politikern und Regulierungsbehörden gar nicht nötig – denn sie regulierten die Online-Werbung bereits seit 1999 durch die ePrivacy-Richtlinie (Richtlinie 2009/136/EG).

Bereits 2011 hatte Facebook eine eigene werbefreie Plattform für mobile Geräte namens “Facebook Zero” eingeführt. Diesmal konnten die Nutzer wählen, ob sie ihren Datentarif zum Surfen nutzen wollten oder nicht – was besser ist als ältere Modelle, bei denen man pro verbrauchtem Kilobyte zahlen musste.

Heute gibt es immer noch viele Unternehmen, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, ich spreche hier nicht nur von Google und Facebook, sondern auch von Zeitungswebsites wie Spiegel Online-Dienste, die den größten Teil ihrer Einnahmen durch Werbung erzielen. Das hat zur Folge, dass man für die Nutzung von Diensten, die früher völlig kostenlos waren, nun Geld bezahlen muss. Leider wird dies in Zukunft noch teurer werden, wenn die Anforderungen an den Datenschutz weiter steigen.

Warum der Datenschutz für Verlage ein Problem ist

Ein Thema, das mich sehr beunruhigt, ist das Konzept der “personalisierten Werbung”. Es ist kein Geheimnis, dass Google den ganzen Tag über Informationen über uns sammelt, um personalisierte Anzeigen auf der Grundlage unseres Standorts, des Suchverlaufs und der E-Mails, die wir über Google Mail verschickt haben, anzuzeigen. Ich bin zwar froh, dass ich die bildschirmfüllende Werbung auf dem Handy los bin, aber ich halte personalisierte Werbung immer noch für einen Eingriff in die Privatsphäre – vor allem, wenn Unternehmen sensible private Daten ohne ausdrückliche Zustimmung verwenden dürfen.

Dies gilt insbesondere für Gesundheitswebsites. Werbetreibende dürfen auf diesen Websites keine personenbezogenen Daten mehr verwenden, was bedeutet, dass sie keine Werbung mehr für Produkte wie Migräne-Medikamente oder Kontaktlinsen anzeigen können. Dies führt zu geringeren Werbeeinnahmen für Herausgeber wie mich (ja, ich betreibe auch mehrere Blogs) und könnte dazu führen, dass Inhalte nicht mehr kostenlos sind.

Warum der Datenschutz ein Problem für Werbetreibende ist

Die größte Herausforderung, der sich sowohl Werbetreibende als auch Verlage aufgrund der verschärften Datenschutzbestimmungen stellen müssen, ist der Verlust von Daten – allerdings nur, wenn sich die andere Partei ebenfalls an diese Gesetze hält (und das tun nicht alle). Publisher können wählen, ob sie Google Analytics auf ihrer Website zulassen wollen oder nicht, was bedeutet, dass einige entscheidensperren. Das bedeutet, dass Werbetreibende ihre Kampagnen nicht mehr richtig verfolgen können, was bedeutet, dass ihnen potenzielle Konversionen entgehen.

Dies ist ein besonders großes Problem für Verleger wie mich, die für den Großteil ihrer Einnahmen auf das Google Display-Netzwerk angewiesen sind. Einige Blogger berichten inzwischen von einem 90-prozentigen Rückgang der CTR (was durchaus Sinn macht), scheinen sich aber nicht der Tatsache bewusst zu sein, dass dies nichts mit dem GDN selbst zu tun hat, sondern eher damit, dass einzelne Seiten keine Tracking-Codes mehr enthalten. Da ich meine Karriere als Affiliate-Vermarkter über das deutsche Programm Jana begonnen habe, bin ich daran gewöhnt, Werbung sogar auf meinen eigenen Blogbeiträgen zu sehen (wenn ich sie auf meinem eigenen Computer anschaue) – leider muss man jetzt für diese “kostenlosen”werbung.

Befürworter des Schutzes der Privatsphäre werden sich freuen, dass man Menschen nicht mehr online verfolgen kann, aber ich fürchte, dass diese Gesetze zu weniger kostenlosen Inhalten für alle führen werden.

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